Anti-Atom-Treck 2009

Kuchentafel für den Anti-Atom-Treck in Sickte

Genau vor 30 Jahren – 1979 – hatte sich schon einmal vom Wendland aus ein Zug von Treckern in Bewegung gesetzt, damals in Richtung Hannover. Ziel dieser Demonstration war es, sich gegen die Pläne eines Endlagers für Atommüll in Gorleben und gegen die Pläne einer Wiederaufbereitungsanlage zu wehren. 100.000 Menschen begrüßten damals den Treckerzug in Hannover. Das Versuchslager in Gorleben war damals nicht zu verhindern, aber die Pläne einer Wiederaufbereitungsanlage wurden aufgrund des massiven Widerstands der Wendländer aufgegeben.

2009 nun brach wieder ein Treckerzug aus dem Wendland auf, um für die große Anti-Atom-Demonstration am 5. September in Berlin zu werben. Ziel dieser Groß-Demonstration war es, ein Zeichen zu setzen gegen die Absicht der großen Stromkonzerne, die Laufzeit der Atomkraftwerke zu verlängern und damit den Ausstieg aus dem 2002 beschlossenen Atomausstieg einzuleiten. Gerade die aktuellen gefährlichen Pannen im Atomkraftwerk Krümmel und der verantwortungslose Umgang mit dem Atommüll in der Asse und in Morsleben machen die Risiken deutlich, denen die Bevölkerung durch die Atompolitik jetzt und in Zukunft ausgesetzt ist. Wir sind eine besonders betroffene Region (Asse – Schacht Konrad – Morsleben) und verstehen dadurch auch den verzweifelten Kampf der Bevölkerung aus dem Wendland, die ebenfalls nicht die Einlagerung dieses Jahrtausende strahlenden Mülls wollen.

Die BürgerAktionSichereAsse (BASA), Organisatorin der Kaffeetafel in Sickte, hatte zunächst mit 150 Besuchern gerechnet. Als der Anti-Atom-Treck aus dem Wendland aber in Braunschweig ankam, wurde schnell klar, dass mit mindestens der doppelten Anzahl von Menschen in Sickte zur rechnen war. In einer Blitzmail (Hilfe, der Treck kommt) wurde die Kuchenproduktion verdoppelt, so dass zu Beginn der großen Kuchentafel am 1. September über 80 Kuchen bereitstanden und die Ehre der Samtgemeinde Sickte nicht mehr auf dem Spiel stand. Empfangen wurden die Treckfahrer auf dem Marktplatz von den fetzigen Klängen der Schulband der Haupt- und Realschule in Sickte. Obwohl diese Band unter der Leitung ihres Musiklehrers Herrn Krüger erst seit 6 Wochen zusammenspielt, überzeugte sie durch ihr frisches und gekonntes Auftreten. Um 16.00 Uhr begrüßte der Samtgemeinde- bürgermeister Dr.  Arne Pautsch die Gäste und verwies auf die großen Probleme bei der Endlagerung von Atommüll, Sorgen, die die Bevölkerung der Gemeinden um die Asse mit den Bewohnern des Wendlands verbindet. Kerstin Rudek von der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg bedankte sich im Namen des Trecks für den herzlichen Empfang. Als Gastgeschenk überreichte sie dem überraschten Samtgemeindebürgermeister eine Fahne aus dem Wendland mit der Bitte, sie im Sitzungszimmer des Rates aufzuhängen. Michael Fuder, Mitglied des Asse 2-Koordinationskreises, revanchierte sich mit einem Asse-A, das jetzt den Musikwagen des Trecks ziert. Anschließend stellte Heiko Judith von der BürgerAktionSichereAsse dar, wie der Bevölkerung rund um die Asse von Wissenschaftlern, Betreibern und Politikern immer wieder vorgegaukelt wurde, dass die Asse sicher sei und man alles im Griff habe. Die aktuellen dramatischen Nachrichten aus der Asse machen jedoch deutlich, dass Jahrzehnte lang den Entscheidungsträgern die Durchsetzung einer auf Atomkraft setzenden Energiepolitik wichtiger war als die Sicherheit der hier lebenden Bevölkerung. Ein besonderes Highlight war anschließend die Asse-Modenschau der evangelischen Jugend der Probstei Schöppenstedt unter der Leitung von Britta Wagener. Aufwändig geschminkt und in fantasiereichen Kostümen machten die „Models“ die Gefahr deutlich, dass aus der blühenden Region um die Asse eine triste und lebensfeindliche Landschaft werden kann. Die Gruppe bekam für diese kreative Darbietung einen großen Applaus. DieVeranstaltung beschloss der Allerweltchor aus Evessen. Begonnen wurde mit dem Lied „Die Asse-Bahn“ von der Braunschweiger „Gröhlgruppe“ aus dem Jahr 1976. Den Zug zu stoppen, ist bekanntlich nicht gelungen, und so müssen wir jetzt mit der Furcht vor den Gefahren dieser gefährlichen Einlagerungen leben. Dieses aktuelle Lebensgefühl kam in einem zweiten Lied zum Ausdruck, das zur „Uraufführung“ gebracht wurde. Dass der Anti-Atom-Treck Wirkung zeigte, wurde dann am 5. September deutlich. Aus unserer Region (Sickte/Cremlingen) fuhren allein zwei voll besetzte Busse nach Berlin. Dort traf man sich dann mit weiteren Privatfahrern, die mit dem Auto oder der Bahn angereist waren. Aber auch drei Radfahrer aus Sickte waren mit von der Partie: Sie waren am Freitagmorgen gestartet und kamen nach 250 Kilometer abends in Berlin an. Insgesamt demonstrierten an diesem Tag rund 50.000 Menschen und forderten den sofortigen Ausstieg aus der Atomkraft.