09. Jun 2013


Asse II: Notfallplanung und Rückholung auf Kollisionskurs?

Veröffentlicht um 21:40 Uhr unter Archiv

In seinem Vortrag am 19.6. im Herrenhaus in Sickte zog Dr. Hoffmann, wissenschaftlicher Berater der Asse 2-Begleitgruppe, eine erste persönliche Bilanz über die Entwicklung an der Asse in den letzten vier Jahren. In seinem dreiteiligen Vortrag gab der Referent zunächst einen kurz gefassten Rückblick auf  das Geschehen an der Asse von 1978 (Beendung der Einlagerung von Atommüll) bis heute.
Also alles paletti an der Asse? Im zweiten Teil seines Vortrags ging Dr. Hoffmann auf die Notfallplanung ein, also jene Maßnahmen zur Stabilisierung des Bergwerks für den sicheren Weiterbetrieb der Anlage und den Fall eines nicht beherrschbaren Wassereinbruchs. Dazu gehören die Firstspaltverfüllungen in den Kammern, die Verfüllung der Nebenabbaue, um das Bergwerk zu stabilisieren. Diese Maßnahmen führten auch zu ersten nachweislichen Erfolgen. Nun jedoch plant das BfS auch die Verschließung der Sohlen in 750- und 725 Metern Tiefe, sodass eine Rückholung der dort liegenden Fässer – es handelt sich um den Hauptanteil der leicht radioaktiven Fässer – nur von oben von der 700-Meter-Sohle oder über eine vollständige Neuauffahrung der Zugangsstrecken möglich ist.  Welche Folgen sich aus dieser Verschließung für die Rückholung ergeben, ist nicht abzuschätzen: Weder gibt es präzise Vorstellungen wie die Rückholung von oben erfolgen soll, noch scheint man sich Gedanken darüber zu machen, wie man die betroffenen Kammern vor dem Laugenzufluss von oben als auch von der Seite her schützen und durch welche Beobachtungsmaßnahmen der Zustand der Kammern selbst und der Fässer in den Kammern verfolgt werden kann. „Bedeutet die Verschließung dieser Sohlen im Rahmen der Notfallmaßnahmen nicht die Beendigung der Rückholung, bevor man mit der Rückholung überhaupt begonnen hat?“ war daher eine kritische Frage aus dem Publikum.
Die Frage, ob das BfS eigentlich ernsthaft die Rückholung anstrebt, stellt sich auch, wenn man die Zeitplanung für die Rückholung betrachtet: Eine vom BfS 2012 in Auftrag gegebene Studie ergab, dass man erst 2036 mit der Rückholung beginnen könne. Eine aktuelle Studie aus diesem Jahr errechnete, dass unter optimaler Berücksichtigung aller Parallelarbeiten der Zeitpunkt der Rückholung „schon“ 2033 möglich sei. Es bestehen Zweifel, ob es verlässliche Berechnungsgrundlagen für diese Zeitplanung gibt. Diese werden auch dadurch genährt, dass für die Notfallmaßnahmen und für die Faktenerhebung (Anbohren von zwei Kammern, Öffnen und Erproben von Rückholmaßnahmen) die Zeiträume in der aktuellen Zeitplanung jeweils um zwei Jahre gedehnt wurden, ohne dass die unabweisbare Notwendigkeit dafür glaubhaft gemacht wird. Ebenso muss man fragen, ob mit dem Abschluss des Baus von Schacht 5 tatsächlich erst 2028  gerechnet werden kann, eine Frage, die nach Abschluss der Probebohrungen im Herbst dieses Jahres geprüft werden muss.
Aber auch  „über Tage“  gibt es ein zentrales Problem für die Rückholung: das Zwischenlager. Das BfS sieht als einzige Alternative ein standortnahes Zwischenlager, also in unmittelbarer Nähe zum Schacht. Die Begründung: Dadurch seien Transportrisiken vermeidbar. Erst wenn genauere Untersuchungen ergeben würden, dass das regionale Umfeld an der Asse nicht tauglich sei, wolle man andere mögliche Lagerstätten erkunden, was dann eine erhebliche zeitliche Verzögerung bedeuten würde.  In den anschließenden Diskussionsrunden kamen Zweifel auf, ob das Transportargument stichhaltig sei, da ja  das radioaktive Inventar der Asse nicht mit den Transporten von hochradioaktivem Material  (z. B. nach Gorleben) zu vergleichen sei. Es kam daher auch in der anschließenden Diskussion die Frage auf, ob die Beharrung auf einen Standort an der Asse nicht dazu dienen soll, die augenblickliche Zustimmung der Bevölkerung zur Rückholung zu kippen. Dr. Hoffman brachte am Ende der Veranstaltung zum Ausdruck, dass die Langzeitsicherheit an der Asse durch Rückholung des Atommülls nur durch Entschlossenheit und professionellen Handeln bei allen Beteiligten zu erreichen sei.