04. Jan 2012


Herr Röttgen, Sie sind verantwortlich: Atommüll-Bergung aus der Asse duldet kein Abwarten!

Veröffentlicht um 08:35 Uhr unter Archiv

Für den Asse II-Koordinationskreis fordert Andreas Riekeberg am 5.1.2012: „Das Bundesamt für Strahlenschutz soll die Option ‚Rückholung’ endlich umsetzen. Eine Faktenerhebung mit zweifelhaftem Erkenntniszuwachs darf dem nicht entgegenstehen! Die Überprüfung der verschiedenen Optionen ist bereits geschehen, durch den Optionenvergleich im Jahr 2009. Diese Phase ist abgeschlossen.“ Der Optionenvergleich hatte ergeben: der Verbleib des Atommülls in der Asse ist keine mögliche Option!  

Bundesumweltminister Röttgen hatte dazu gestern gegenüber der Braunschweiger Zeitung geäußert: „Das Bundesamt für Strahlenschutz hat die Rückholung der Abfälle für die langfristig sicherste Option erklärt und einen Fahrplan erstellt, um diese Option zu überprüfen.“ Doch diese Überprüfung unter der Bezeichnung „Faktenerhebung“ ist eine Auflage, die sein Ministerium dem Bundesamt erst gemacht hat. Genau dies hat die Organisierung der Rückhoung mittlerweile um zwei Jahre verzögert.  

Es kommt jetzt darauf an, wie der Atommüll geborgen werden kann und dass er geborgen wird. Dazu trägt eine vorgeschaltete Faktenerhebung wenig bei, denn die Lage wird überall anders sein. In Bereichen, in denen bekannt und sichtbar ist, dass Fässer gestapelt sind, wird der Bergeaufwand geringer sein, als dort, wo der Atommüll verstürzt wurde. Dort muss man sich auf ein Gemisch aus Atommüll, Behälterreste und Salz einstellen. 

Eine weitere Auflage des Umweltministeriums: Die Bergung des Atommülls soll nur dann erfolgen, wenn der Atommüll (fast) vollständig geborgen werden kann. Doch es ist offensichtlich: Jeder geborgene Kubikmeter Atommüll ist ein Gewinn. Daher müssen verfahrenstechnische und rechtliche Wege gefunden werden, um zunächst die Transportbehälter zu bergen, die noch stabil und relativ leicht zugänglich sind. Damit erst zu beginnen, wenn Verfahren für den schwerzugänglichen Atommüll entwickelt sind, ist unverantwortlich. 

Spätestens das Strömungs- und Transport-Modell von Dr. Krupp zeigt deutlich: wenn die Asse mit Atommüll verschlossen werden sollte, wird sich dort Lauge ausbreiten. Darin würden der Atommüll aufgelöst und die Metalle korrodieren. Dabei werden sich Gase bilden, die in einem verschlossenen Bergwerk Druck aufbauen und radioaktive Partikel an die Oberfläche und ins Grundwasser transportieren. Das darf nicht geschehen!  

Den Atommüll aus der Asse zu bergen ist die einzige Möglichkeit, eine Verseuchung der Biosphäre zu vermeiden. Die Asse war nie ein genehmigtes Atommüll-Endlager und sie wäre nie genehmigungsfähig. Fast überall anders ist Atommüll besser aufgehoben als in einem Salzbergwerk mit Laugenzutritt.  

Jetzt muss die Räumung der Asse geplant und organisiert werden, Personal dafür muss aufgebaut und Bergetechnik beschafft werden, ein weiterer Schacht ist nötig. Bundesumweltminister Norbert Röttgen ist gefordert, dies einzusehen und sich endlich dahinter zu stellen und das Bundesamt für Strahlenschutz instand zu setzen, dieser Aufgabe gerecht werden zu können! Daran wird er gemessen werden.  

„Herr Röttgen, füllen Sie Ihr Amt aus und stellen Sie sich Ihrer politischen Verantwortung,“ fordert Udo Dettmann vom Asse II-Koordinationskreis und führt weiter aus: „Es ist die Aufgabe des Ministers, die politische Verantwortung zu übernehmen, damit die Fachmitarbeiterinnen und –mitarbeiter im Ministerium an den technischen und inhaltlichen Belangen arbeiten können, ohne sich noch politisch den Rücken freihalten zu müssen.“